Bolognese und Wein zur Corona-Zeit – ein Auslandsemester unter besonderen Bedingungen

Janine S., Studierende der Wirtschaftswissenschaften in Würzburg, verbringt momentan ein Auslandssemester in Bologna, trotz Corona. Wie es ihr dabei geht, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen hat und wie sie die Zeit dennoch genießen kann, hat sie mir in einem Interview per Facetime erzählt.

von Lea-Antonia Diedering

Jedes Semester verschlägt es viele Studierende der Julius-Maximilian- Universität in Würzburg ins Ausland. Das Erasmus Programm bietet die Möglichkeit Auslandserfahrung, Studium und Sprachkenntnisse zu vereinen und wird auch trotz Corona angeboten. Dass es sich dabei um „großes Glück“ handele, hat Janine schnell erkannt. Sie würde die Zeit keinesfalls missen wollen und erklärt, man müsse sich an Corona Regeln ja sowieso halten – ob in Deutschland oder Italien, sei doch egal.

Seit dem 21. September ist Janine bereits in Bologna und hat sich gut eingelebt. Ihr Alltag besteht vor allem aus Uni, denn die ist in Italien deutlich zeitintensiver als in Deutschland. Viele Gruppenprojekte und Präsentationen stehen unter dem Semester an, hinzu kommt das normale Aufbereiten des Vorlesungsstoffes und die Vorbereitung auf Klausuren. Dennoch kommen bei Janine Freunde und der eine oder andere Aperitif am Abend, wie für Italien typisch, nicht zu kurz. Auf die Frage, was man in Bologna trotz Corona unternehmen kann, antwortet Janine mit einem Lachen: „Uns fällt immer was ein. Wenn die Restaurants um 18 Uhr schließen, gehen wir eben eher hin. Und jetzt, wo im Lockdown alles zu ist, trifft man sich zum Kochen und auf einen Wein zu Hause.“ Janine wohnt in einer 6er WG mit anderen Austauschstudenten und Italienern und genießt das Zusammenleben sehr. Da alle italienisch sprechen, hat sich ihre Sprache schon merkbar verbessert und auch die italienische Küche wurde ihr durch gemeinsame Koch- Sessions nahgebracht. Die Personenanzahl bei privaten Treffen ist in Bologna, anders als bei uns, nicht begrenzt. Es wird der Bevölkerung aber nahegelegt, auf Kontakte zu verzichten. Kleine Treffen unter Austauschstudierenden sind somit rechtlich gesehen kein Problem.

Seitdem die Corona Zahlen wieder steigen, werden in Italien alle Regionen nach einem Farbkonzept (gelb, orange, & rot) eingeteilt, je nach Corona Zahlen und medizinischer Infrastruktur. Bologna war sehr lange gelb, was mit dem Tragen einer Maske, der Schließung von Restaurants ab 18 Uhr, einer maximalen Personenanzahl von 4 pro Tisch und einer Ausgangssperre von 22-5 Uhr verbunden war. Seit kurz vor Weihnachten ist Bologna nun wieder im kompletten Lockdown, das heißt Geschäfte und Restaurant sind geschlossen und eine Ausgangssperre wurde verhängt.

Auch in der Universität von Bologna gilt es, die vorgegebenen Corona Maßnahmen einzuhalten.  An  jedem Eingang  stehen  Mitarbeiter, die kontrollieren, dass jeder seine Hände desinfiziert. In den Hörsälen werden Stühle freigelassen, um einen Mindestabstand zu garantieren und das Gebäude ist lediglich zu Vorlesungszeiten geöffnet. Seit November finden alle Veranstaltungen nur noch online statt. Vorher konnte jeder Studierende selber entscheiden, ob er die Vorlesung in Präsenz besuchen möchte oder lieber von zu Hause aus per Video teilnimmt. Koordiniert wird das ganze über eine App, in der man sich für Vorlesungen anmelden muss. Das macht auch die Nachverfolgung im Falle eines corona-erkrankten Teilnehmers möglich. Jeder Studierende erhält dann eine Benachrichtigung, dass es in seinem Kurs einen positiven Fall gab und kann sich sofort in Quarantäne begeben. Janine ist das sogar schon passiert. Sie war positiv davon überrascht, wie gut und geordnet alles abgelaufen ist. Das Gesundheitsamt informierte zügig und ein Datum zum Test wurde zugeteilt. Als die Corona-Zahlen unter den Austauschstudenten weiter anstiegen, organisierte die Uni in Bologna einen freiwilligen und kostenlosen Test für alle. Insgesamt ist die Kommunikation zwischen Uni und Studierenden sehr positiv, erklärt Janine. Auch für das nächste Semester wurde bereits festgelegt, dass Studierende wieder die Wahl haben, in Präsenz oder per Video teilzunehmen. Die Prüfungen finden, wie in diesem Semester auch, alle online statt, um Chancengleichheit zu garantieren.

Über die Weihnachtsfeiertage ist Janine nach Deutschland gekommen, um den Lockdown zu Hause mit ihrer Familie zu verbringen. Spätestens Anfang Januar will sie aber zurück nach Bologna, denn die nächsten Prüfungen warten schon und das zweite Semester beginnt. Für das kommende Jahr hat Janine noch viele Wünsche. Wenn es Corona zulässt, möchte sie die Gegend erkunden, Tagesausflüge mit ihren Freunden machen und das Nachtleben von Bologna kennenlernen. Außerdem hofft sie, dass die Uni bald wieder in Präsenz stattfinden kann. Am Ende des Interviews hat Janine noch einen Rat für alle Interessenten des Auslandssemesters: „So blöd die Situation mit Corona auch ist, man sollte sich dadurch nicht seinen Weg verbauen lassen. Auch im Ausland kann man das Beste daraus machen, denn in der eigenen Stadt, WG und Videokonferenz gibt es auch viel Neues zu entdecken. Hauptsache man lässt den Kopf nicht hängen!“

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