Engpass Klinik – wie man als Student*in einen Beitrag leisten kann

Karoline studiert Wirtschaftswissenschaft im Bachelor und arbeitet als pflegehelfende Kraft am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Während viele ihrer Kommiliton*innen aufgrund der Corona-Krise keinen Job mehr haben, ist sie in ihrem Nebenjob als Sitzwache gefragter denn je.

von Julia Becker    

Kurz bevor die Pandemie auch Deutschland trifft, begann Karoline als Sitzwache am UKW zu arbeiten. Schon davor war sie mit dem Klinikalltag vertraut, denn vor ihrem Bachelor Studium in Würzburg absolvierte sie bereits zwei Ausbildungen als medizinische Fachangestellte und als Physiotherapeutin. Obwohl sie sich nun für eine andere Karriere entschieden hat, möchte sie weiterhin nebenbei in dieser Branche tätig sein und „gerade in Zeiten der Krise etwas Gutes tun“. 

Seit über einem Jahr stellt der Kampf gegen die Corona-Pandemie die Welt vor eine gewaltige Herausforderung. Die Zahl der Neuinfektionen muss reduziert werden, strenge Kontaktbeschränkungen werden eingeführt, Schulen und Kitas werden geschlossen. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer unübersichtlichen Lage. Alle Augen sind auf die Impfstoffzulassung gerichtet. 

Vor allem jedoch liegt der Fokus in diesem Jahr auf dem Gesundheitssystem, den Kliniken und dem Pflegepersonal. Bereits vor der Krise herrschte in Deutschland ein spürbarer Mangel an Personal in den Pflegeberufen. „Vom Applaus für systemrelevante Berufe zu Beginn der Krise ist heute nicht mehr viel zu spüren“, erzählt Lydia, die am UKW als Krankenpflegerin arbeitet. 

Noch während den extremen Infektionsverläufen in anderen Ländern, wie China oder Italien, beginnt man sich auch in Deutschland auf das Schlimmste vorzubereiten. Elektive Operationen werden verschoben, mehr Personal muss rekrutiert und besser geschult werden, die Kapazitäten von Intensivbetten und Beatmungsgeräten ausgeweitet werden. Ärzt*innen und Pflege spezialisieren sich zunehmend auf intensive Verläufe. 

Dennoch sind Menschen immer noch regulär krank und auch diese Patient*innen sind auf Pflegekräfte und Fachpersonal angewiesen. Seit Beginn der Pandemie herrscht ein striktes Besuchsverbot in Kliniken. Nicht nur für die Patient*innen scheint dies eine psychische Last zu sein, auch Pflegerinnen und Pfleger können den Erkrankten oftmals, aus Mangel an Personal und Zeit, nicht die benötigte Aufmerksamkeit schenken. 

Als Sitzwache arbeitet Karoline als unterstützende Kraft in der Pflege. Oft wird sie zur Betreuung von dementen oder desorientieren Patienten eingesetzt, manchmal benötigen Stationen auch eine helfende Hand. Nach Bedarf wird sie in unterschiedlichen Bereichen am Universitätsklinikum eingesetzt. „Typischerweise sind es viele Medizin-Studierende, die diesen Job haben“, erzählt sie. Allerdings benötige man nur ein absolviertes Pflegepraktikum, um als Sitzwache zu arbeiten. 

Vor allem in Zeiten des Lockdowns ist es für sie schön, ihren Schreibtisch zu verlassen und dabei einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. „Vielen Student*innen fällt momentan die Decke auf den Kopf, da ist die Beschäftigung in der Klinik ein super Ausgleich zum trockenen Alltag des Studiums“, erklärt Karoline,  „außerdem ist es besonders wichtig, die Pflege während der Krise zu  entlasten.”    

Während des Besuchsverbots kann Karoline sich als Sitzwache die Zeit nehmen, ihren Patient*innen die Beachtung zu schenken, die sie benötigen. Ein offenes Ohr zu haben sei wichtig, denn die Angst vor dem Ungewissen sei aktuell deutlich spürbar.

Die zweite Welle der Krise geht stark an die Substanz der Mitarbeiter. Laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) steigt die Intensivbettenbelegung seit November 2020 rasant an. Es gibt deutlich mehr schwere Verläufe als im Frühjahr. Aktuell ist jede helfende Hand mehr als willkommen – nicht nur in der Pflege, auch in Gesundheitsämtern, Test- und Impfzentren gibt es offene Stellen, die sich auch für Studierende ohne medizinische Vorkenntnisse eignen. Denn trotz eines Impfstoffs als Hoffnungsträger  – ein Ende der Pandemie ist noch lange nicht in Sicht. 

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