Studieren mit Job: Aus Liebe zum Handball

Carsten Fischer im Einsatz für die MSG Roßdorf/Reinheim. Bild: Oliver Märtz.
Carsten Fischer im Einsatz für die MSG Roßdorf/Reinheim. Bild: Oliver Märtz.

Der typische Nebenjob eines Studenten ist meistens in der Gastronomie angesiedelt. Der Würzburger Carsten Fischer verdient sich seine Brötchen auf anderem Weg. Er spielt Handball in Hessen.

Von Oliver Märtz

„Auf geht’s Jungs. Tempo, Tempo, Tempo“, feuert der Trainer des Handballvereins MSG Roßdorf/Reinheim seine Schützlinge an. Der Spieler mit der Trikotnummer 8 bekommt den Ball zugespielt, läuft drei Schritte, springt ab und überwindet den Torwart. Jubelnd dreht Carsten Fischer nach seinem Wurf ab und sprintet zurück in die Abwehr. Obwohl es nur ein Trainingsspiel ist spürt man in der Halle die Intensität und den Leistungswillen aller Spieler. Der Ehrgeiz ist jedem ins Gesicht geschrieben. Keiner möchte verlieren.

Nach dem rund zweistündigen Training muss Carsten schnell unter die Dusche und direkt zum Bahnhof. Obwohl er nach so einem intensiven Training sichtlich erschöpft ist, muss er sich auf den Weg nach Würzburg machen. Dort absolviert er zurzeit seinen Bachelor im Fach Wirtschaftswissenschaften.

Handball beim Heimatverein

Von Anfang an war für Carsten klar, dass er trotz seines Studiums in Würzburg weiterhin bei seinem Verein MSG Roßdorf/Reinheim Handball spielen möchte, erzählt er auf der Zugfahrt nach Würzburg. Schon im frühen Alter von vier Jahren fing er mit dem Sport Handball an. Inzwischen spielt er mit dem MSG Roßdorf/Reinheim in der Hessen-Liga. Jedoch hat Carsten auch schon Erfahrungen in der dritten und zweiten Bundesliga gesammelt.

Durch ein sogenanntes Doppelspielrecht konnte er als Jugendlicher diese Erfahrungen im Herrenbereich machen. Dort wurden sogar Autogrammkarten von ihm gedruckt, was ihn als jungen Spieler natürlich sehr stolz machte. Heute bekommt man die Karten nur auf mehrfaches Nachfragen zu sehen. Cersten möchte nicht mit seinen Erfolgen prahlen. Trotzdem merkt man ihm den Stolz an, wenn er von seinen Erfahrungen aus der zweiten Bundesliga erzählt.

Hobby als Nebenjob

Seine Athletik, die Carsten schon in früheren Jahren hatte, kam ihm damals zu Gute. Noch heute besticht er mit seiner Physis und Schnelligkeit. Auch seine Größe von 1,87 Meter ist im Handball von Vorteil.

Als Spieler in der Hessen-Liga entsteht für Carsten die Chance sein Hobby als Nebenjob zu betreiben. Während der Zugfahrt erzählt er jedoch von den Verpflichtungen, die der Sport auf diesem Level mit sich bringt. Der Verein bezahle ihm eine gewisse Aufwandsentschädigung und erstatte ihm auch seine Zugtickets wieder. Damit einher gehen allerdings auch Entbehrungen. Zum einem muss Carsten unter der Woche immer wieder mit dem Zug zum Training. Zum anderen verbringt er so gut wie kein Wochenende in Würzburg. Der Ligabetrieb läuft beinahe durchgehend. In der kurzen Sommerpause steht bereits die Vorbereitung für die neue Saison an.

Seine Kommilitonen haben die Möglichkeit ihr Studium flexibel und frei zu gestalten. Carsten ist in dieser Hinsicht deutlich eingeschränkter. Dennoch: Man merkt ihm an, dass es für ihn nie eine Option war das Handballspielen aufzugeben.

Leidenschaft Handball

Leidenschaftlich erzählt er von vergangenen Siegen und Niederlagen. Der sonst eher zurückhaltende Carsten kommt bei diesen Themen richtig aus sich heraus, kann beinahe nicht mehr aufhören zu erzählen. Diese Leidenschaft ist ihm eindeutig auch auf dem Hallenboden anzusehen. Wille ist eine wichtige Komponente des Sports. Diesen Willen strahlt der sonst so ruhig und besonnen auftretende Student mit jeder Faser seines Körpers auf dem Platz aus. Wer ihn nur aus dem Hörsaal kennt, würde ihn auf dem Spielfeld beinahe nicht wiedererkennen.

Carsten Fischer hat einen schweißtreibenden Nebenjob. Bild: Oliver Märtz.
Carsten Fischer hat einen schweißtreibenden Nebenjob. Bild: Oliver Märtz.

Wenn man Carstens Alltag beobachtet, sieht man jedoch auch wie viel Disziplin es benötigt, Studium und Handball zu verbinden. Nach einem harten Tag in der Uni noch mit dem Zug zum Training zu fahren oder in Würzburg regelmäßig Kraft- und Ausdauertraining zu betreiben ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Dass sich durch den ganzen Stress auch mal seine Freunde und Familie hinter dem Handball anstellen müssen, ist für ihn ein Nachteil jedoch kein Hindernis. Das Verständnis seines Umfelds ist ihm trotzdem sehr wichtig, da es ohne den Rückhalt der Freunde und Familie beinahe unmöglich wäre sein Pensum zu bewältigen. Trotz seiner bemerkenswert guten Organisation ist er manchmal auf Mitschriften der Kommilitonen oder Fahrdienste seiner Familie angewiesen. Die Hilfe seines Umfelds ist ihm aber gewiss. Gleich mehrfach betont Carsten, wie dankbar er für diese Unterstützung ist.

Studium hat Priorität

In seinem Leben spielt der Handball zwar eine große Rolle, aber trotzdem gilt seine oberste Priorität dem Studium. Während seiner Jugendzeit ist Carsten beinahe in ein sogenanntes Handballleistungszentrum gezogen. In so einem Internat werden junge Talente verstärkt gefördert und auf den Leistungssport in den obersten Ligen vorbereitet.

Nach kurzer Bedenkzeit war für Carsten aber klar: Er möchte sich erst einmal auf sein Abitur und das folgende Studium konzentrieren. Die geringen Verdienstmöglichkeiten im Hallensport schreckten ihn zusätzlich ab: „Handball auf dem obersten Niveau kann man maximal zehn Jahre spielen. Danach wird es ohne akademische Ausbildung schwer sich eine gute berufliche Perspektive aufzubauen“, sagt Carsten im Zug nach Würzburg.

Ein demnächst folgendes Masterstudium wird ihn ganz sicher auch nicht von einer weiteren Karriere als Handballspieler auf diesem Niveau abhalten. Dafür dürfte es auch zweitrangig sein, in welcher Stadt Carsten einen Platz bekommt. Für seine Liebe zum Handball wird kein Standort ein Hindernis darstellen.

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