Auf der Suche nach dem Glück: Erasmus in Dänemark

Melisa hat ein Semester in Dänemark studiert. Foto: Melisa Coric.
Melisa hat ein Semester in Dänemark studiert. Foto: Melisa Coric.

Melisa hat für ein Semester in Dänemark studiert. Im Geburtsort Hans Christian Andersens lernte sie zwar kein Dänisch, dafür umso mehr über rote Grütze.

Von Franziska Seger

Die Dänen sind angeblich die glücklichste Nation auf diesem Planeten. Aber wie kann das sein? Das Wetter in Dänemark ist bekanntermaßen miserabel. Viel Regen und wenig Sonnenschein: Das haben die Hamburger hoch im Norden zu Hauf und die schauen in ihren gelben Regenjacken nicht so wirklich happy drein. Was also ist das Geheimnis der Dänen? Was können wir Deutschen von ihnen lernen? – Melisa Coric ist der Sache während ihres Auslandssemesters in Dänemark auf den Grund gegangen.

Dänemark: „Gar nicht auf dem Schirm“

Die 21-Jährige ist Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Würzburg. Dänemark hatte sie gar nicht auf dem Schirm, als sie sich im vierten Semester für ein Auslandssemester über das Erasmus-Programm bewarb. Es sollte nach Großbritannien oder Spanien gehen.

„Liverpool, Madrid und Lissabon haben so viele als Erst-Wahl, da war mir eigentlich klar, dass ich das nicht bekomme“, sagt Melisa schulterzuckend. Zuhause auf ihrem Balkon erzählt sie von ihrer Zeit im letzten Wintersemester an der University of Southern Denmark in Odense.

Studium an der Uni Odense

Die drittgrößte Stadt Dänemarks liegt auf der Insel Fünen und ist circa eineinhalb Stunden von Kopenhagen entfernt. Odense ist vor allem als Geburtsstadt des Märchenschreibers Hans Christian Andersen bekannt. Wer während seines Auslandssemesters jede Nacht zum Tag verwandeln will, der ist dort an der falschen Adresse. Das beschauliche Städtchen wirkt mit seinen wenigen Pubs und Clubs eher etwas verschlafen. Melisa störte sich nicht daran.

„Wenn du Erasmus machst, dann herrscht so ein ganz anderer Vibe. Jeder ist gut drauf, jeder möchte neue Leute kennenlernen“, sagt Melisa mit einem Strahlen im Gesicht. Ihre Begeisterung ist ansteckend. Mit ihrer herzlichen und offenen Art bricht die 21-Jährige schnell das Eis: „Ich hatte nie Probleme Leute kennenzulernen.“

Fehlende Sprachkenntnisse

Vor ihrem Auslandssemester konnte Melisa nicht ein einziges dänisches Wort. Einen Sprachkurs hat sie nicht besucht, auch nicht während ihres Aufenthaltes in Odense. „Ich habe keinen Kurs gebraucht“, gibt Melisa zu. Einiges im Dänischen erinnert ans Deutsche. Beim Lesen dänischer Texte war es für sie kein Problem ungefähr herauszufinden, was dort geschrieben steht. Bei Gesprächen mit Dänen schaute Melisa dann aber doch meist blöd aus der Wäsche. Im Dänischen werden die Buchstaben gerne verschluckt. Beispiel gefällig? „Rødgrød med fløde“. Oder zu Deutsch: Rote Grütze mit Sahne.

Die Dänen fordern ihr Gegenüber gerne mit diesem Zungenbrecher heraus. „Wenn dir das einer, der Dänisch kann, vorsagt und du sollst es nachsprechen, dann endet das in einer Katastrophe. Und derjenige fängt an zu lachen“, erzählt Melisa. Beim Versuch es nachzusprechen, na klar, beginnt sie selbst zu lachen.

"Wenn du Erasmus machst, dann herrscht so ein ganz anderer Vibe." Melisa über ihre Zeit in Dänemark.
„Wenn du Erasmus machst, dann herrscht so ein ganz anderer Vibe.“ Melisa über ihre Zeit in Dänemark.

In der Uni waren ihre fehlenden Dänisch-Kenntnisse jedoch kein Hindernis. Die meisten angebotenen Wirtschaftskurse finden in Odense auf Englisch statt. Vieles ist digitalisiert. „Da siehst du kaum Leute mit Stift und Papier mitschreiben – eigentlich alle haben einen Laptop dabei“, sagt Melisa. Außerdem werden die Veranstaltungen ihrer Meinung nach interaktiver gestaltet: „Man hat das Gefühl, dass man mehr eingebunden ist, als in Deutschland“.

„Hygge“: zufrieden auf Dänisch

Man merkt Melisa an, dass sie nicht so richtig mit ihrem Studium in Deutschland zufrieden ist. Für ihren Geschmack ist es oft zu theorielastig. Rückblickend würde sie sich vielleicht anders entscheiden. Aber Melisa ist kein Mensch, der das Handtuch wirft: „Ich habe es angefangen, dann mache ich es auch fertig.“ Nächstes Semester möchte Melisa ihr Studium abschließen.

Ihr großer Traum wäre es dann in einer Social Media- Agentur zu arbeiten. Dabei geht ihr ihre Karriere keinesfalls über Familie und Freunde. „Ich kann mir gar nicht vorstellen eine Business Woman zu sein“, stellt sie klar. Die gemeinsame Zeit mit ihren liebsten Menschen ist ihr sehr wichtig. Gemütlichkeit und Beisammensein lautet die Devise.

Dieses Lebensgefühl – sei es ein Abend mit der besten Freundin oder sich mit einer Tasse Kakao in eine Decke vor dem Kamin kuscheln – nennen die Dänen „Hygge“. „Das ist ein Wort, das man nicht richtig beschreiben kann“, sagt Melisa. „Es ist ein Gefühl, das man verspürt, wenn man mit Menschen zusammen ist, die man gerne hat.“

Vielleicht ist das auch die wichtigste Erfahrung, die Melisa während ihrer Zeit in Dänemark gemacht hat. Im Norden Europas hat sie das Rezept zum Glück kennengelernt. Sie weiß, wie man die großen und kleinen Momente des Lebens genießt.

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