Südzucker: Süßes Gold in bitteren Zeiten?

Thomas Kirchberg von Südzucker zu Gast im Audimax. Foto: Marc Selariu
Thomas Kirchberg von Südzucker zu Gast im Audimax. Foto: Marc Selariu

In der Reihe „Vorstände berichten aus der Praxis“ sprach Thomas Kirchberg, Vorstand von Südzucker, vor rund 100 Studierenden im Audimax. Das Unternehmen befindet sich nicht nur in einem Markt unter Preisdruck – sondern kämpft auch mit einem schwierigen Image.

Von Marc Selariu

Kirchberg ist seit 2007 Mitglied im Vorstand des größten zuckerverarbeitenden Unternehmens Europas. Am Mittwoch, 11. Juli 2018 hielt er einen Vortrag an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Südzucker beschäftigt an über 100 Produktionsstandorten weltweit über 18.500 Mitarbeiter. Aber: „Gerade zurzeit haben wir es auf dem Zuckermarkt mit einer schwierigen Situation zu tun“, sagte der promovierte Agrarwissenschaftler.

Für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 rechnet Südzucker mit einem Rückgang seines operativen Ergebnisses um 100-200 Millionen Euro.

Steigender Zucker-Konsum in Südasien

Dies sei laut Kirchberg jedoch kein Grund zur Sorge. „Der Zuckerkonsum in Ländern wie Indien und Thailand steigt gerade massiv an.“ Er rechnet daher mit wieder steigenden Weltmarktpreisen. Aber auch durch die verschiedenen Segmente der Aktiengesellschaft, sei das Unternehmen den Entwicklungen auf dem Weltmarkt keineswegs schutzlos ausgeliefert.

Neben der Herstellung und dem Vertrieb von Zucker, stellt der Lebensmittelkonzern mit Sitz in Mannheim auch Bioethanol für Treibstoffe wie E10 her. Außerdem: Fruchtmischungen und Stärke. „Die gesamte Zuckerrübe wird verarbeitet – davon profitieren am Ende nicht nur das Unternehmen, sondern natürlich auch die Verbraucher und die Umwelt“, sagt Kirchberg.

Auch in der Forschung und Entwicklung des Unternehmens tut sich einiges. Hier wird etwa daran gearbeitet, den CO2-Ausstoß der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. Über die Konzerntochter „Beneo“ vermarktet Südzucker Produkte, die besonders diabetikerfreundlich und kalorienreduziert sein sollen.

Südzucker und das Problem mit dem Image

Ob diese Bemühungen jedoch ausreichen, lässt sich mit Blick auf die aktuellen Börsenzahlen nicht abschließend bewerten. Außer dem Geschäftsbereich Spezialitäten geht es in allen anderen Segmenten abwärts. „Zucker hat gerade ein Imageproblem“, räumt Kirchberg ein.

Zwar sei der übermäßige Konsum von Zucker mit Sicherheit ungesund, „aber nicht das einzige Problem bei einem ungesunden Lebensstil.“ In erster Linie seien es die Kombination aus „zu vielen Gesamtkalorien und ein Mangel an Bewegung“, die zu Übergewicht führen, stellte Kirchberg seine Sicht der Dinge dar.

Südzucker beteiligt sich an der Internetseite „schmecktrichtig.de“, auf welcher der Lobbyverband „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.“ über Ernährung und Gesundheit informiert. Kirchberg hofft, damit das Image von Zucker aufbessern zu können.

Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft

Die Fragen der anwesenden Studentinnen und Studenten lassen jedoch vermuten, dass dieses Unterfangen schwierig sein könnte. Kritische Wortmeldungen erhielt Kirchberg zum Thema Pestizide und mangelnde Nachhaltigkeit in der konventionellen Landwirtschaft. Andere Fragen drehten sich um versteckten Zucker in Fertigprodukten.

Dennoch: Derzeitige Trends deuten darauf hin, dass der Pro-Kopf-Konsum weltweit weiter steigen wird. Wie sich das Image von Zucker hierzulande und international entwickeln, bleibt indes abzuwarten – genauso wie etwaige Auswirkungen auf den Weltmarkt.

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