Medien und Verantwortung: Ulrich Wickert an der WiWi-Fakultät

Ulrich Wickert an der WiWi-Fakultät. Foto: Carlotta Sauer.
Ulrich Wickert zu Gast an der WiWi-Fakultät. Foto: Carlotta Sauer.

In der Vortragsreihe „Journalisten berichten aus der Praxis“ plädiert der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert für eine moralische und sorgfältig recherchierte Berichterstattung.

Von Carlotta Sauer

Würzburg. Deutschlandtrikots im Audimax. Leere Blicke. Die Nationalmannschaft ist in der Vorrunde der Fußballweltmeisterschaft ausgeschieden. Eine Premiere. Ulrich Wickert (75) begrüßt das Publikum kurz nach dem Abpfiff mit den Worten: „Es ist eine ernste Situation, in der wir uns seit zehn Minuten befinden. Ich möchte jetzt nicht in der Redaktion sitzen für den Kommentar.“ Statt in der Redaktion befindet sich der Journalist an diesem Mittwochabend (27.06.2018) im Hörsaal. Nach René Pfister vom Spiegel ist er der zweite Gast der Vortragsreihe „Journalisten berichten aus der Praxis“ in diesem Semester.

Journalismus im Umbruch

Wickert stellt sich nicht die Frage des Abends – „geht oder bleibt Bundestrainer Löw?“. Seine Fragestellung ist eine andere: Wie müssen Journalisten arbeiten in Zeiten des „politisch-medialen Umbruches“? Um diese zu beantworten, liest er aus seinem Buch „Medien: Macht & Verantwortung“ aus dem Jahr 2016. Seine Stimme ist tief und melodisch. Viele der Zuschauer werden sie schon oft gehört haben.

Bis 2006 war Ulrich Wickert eineinhalb Jahrzehnte lang Moderator der Tagesthemen. Als Ausgangspunkt jedes guten Journalisten sieht er den Aufklärer Kant mit seiner Forderung „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Heutzutage führten stündliche Meldungen zur „Banalisierung der Öffentlichkeit“. Journalisten seien aufgrund ihres erlernten „Handwerkes“ und Verstandes dazu in der Lage, diese auszusortieren und einzuordnen. Deshalb seien gut ausgebildete Medienmacher im Zeitalter des Internets und kursierender Falschmeldungen so wichtig. Wickert betont: „In Deutschland arbeiten zahlreiche Journalisten, die sich zu den qualifiziertesten der Welt rechnen dürfen.“

Über die Glaubwürdigkeit der Inhalte

Trotzdem kritisiert der frühere Paris-Korrespondent, dass Inhalte immer weniger zählten. Als Beispiel nennt er die Berichterstattung über den früheren SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Damals sei mehr über die Aussagen zu seinem bevorzugten Wein, als seine politische Vorstellung geschrieben worden.

Wickert bemängelt den Druck, als erstes zu veröffentlichen, der durch das Internet immer größer wird: „Viele Zeitungen nehmen sich nicht die Zeit zu überprüfen, was sie melden.“ Für einen guten Journalisten stellt er drei Maximen auf: zuerst Glaubwürdigkeit, als zweites Nutzen für den Empfänger und erst danach Schnelligkeit.

Über New York und Paris zu den Tagesthemen

Es sind keine neuen Erkenntnisse in einer Zeit, in der „Fake News“ 2016 zum Anglizismus des Jahres gewählt wurden und die AfD im Bundestag sitzt. Aber Wickert kann sie mit unzähligen journalistischen Erfahrungen untermalen. Bevor er die tagesthemen moderierte, arbeitete er als Redakteur für das politische Fernsehmagazin „Monitor“, leitete die ARD-Studios in Paris und in New York. 2016 erhielt er für sein Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz.

Wenn er vom Redaktionsalltag „bei uns bei den Tagesthemen“ erzählt, holt er weit aus. Die Anschläge des 11. Septembers waren eine solche Erfahrung. „Damals habe ich den Zuschauern beigebracht, wie Nachrichten entstehen. Ich habe die Bilder im selben Moment wie sie gesehen und musste auch erst die Glaubwürdigkeit überprüfen.“

Erklären. Einfache Worte. Strafmaßnahmen sagen und nicht Sanktionen. Mit dieser Botschaft schließt Wickert seinen Vortrag. Und mit seinen bekannten Worten: „Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht.“

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