Hochtief: Weltweit in der Bauindustrie

Hochtief-Vorstand Nikolaus Graf von Matuschka an der WiWi-Fakultät.
Hochtief-Vorstand Nikolaus Graf von Matuschka an der WiWi-Fakultät.

Wie ist es bestellt um die Bauindustrie – und welche Rolle spielt Korruption? Das beantwortete Hochtief-Vorstand Nikolaus Graf von Matuschka. Der Manager war am 21. Juni 2018 im Rahmen der Reihe „Geschäftsführer und Vorstände berichten aus der Praxis“ zu Gast.

Von Tim Laudenbacher

Matuschka arbeitet seit 1998 für den weltweit tätigen Baukonzern und war zunächst Leiter einiger Tochterunternehmen, ehe er zum Vorstandsmitglied auf Europa-Ebene aufstieg. Seit 2014 ist er Vorstandsmitglied der Hochtief Aktiengesellschaft. Das Traditionsunternehmen wurde bereits 1873 gegründet und beschäftigt heute über 53.000 Mitarbeiter.

Hochtief im Aufschwung

Seit fünf Jahren ist der Konzern aus Essen im Aufschwung. Der Aktienkurs stieg von 36 Euro auf über 150 Euro (Stand: 4. Juli 2018). Verantwortlich dafür ist die Übernahme durch die spanische ACS-Gruppe im Jahr 2011 und die vollständige Fokussierung auf die Baubranche. Dieser Umbruch führte auch zu einem Kulturwandel innerhalb der Unternehmensführung: „Das ist nun im Vorstand eine ganz andere Form des Arbeitens. Das ist manchmal sehr anstrengend, aber auch sehr interessant“, sagte Matuschka bei seinem Vortrag an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Jahrelang hätten Hochtief und Hauptkonkurrent Bilfinger eine ähnliche Strategie verfolgt und ihre Konzepte kopiert. Nun aber haben beide Unternehmen einen jeweils anderen Weg eingeschlagen. Bilfinger konzentriert sich auf Dienstleistungen, Hochtief auf die Bauindustrie. Matuschka hält beide Strategien für gut. Sein eigenes Unternehmen wirtschaftet derzeit allerdings erfolgreicher.

Korruption in der Bauindustrie

Dass der Konzern weltweit präsent ist, macht Matuschka stolz. Gleichzeitig bringe das Herausforderungen mit sich. In Ländern wie der Türkei oder Russland etwa, sei es mitunter schwierig saubere Geschäfte abzuwickeln – insbesondere in der Bauindustrie. Oft sind Projekte von lokalen Verwaltungen abhängig. Die Branche ist in besonderem Maße anfällig für Korruption.

Problematisch sind aus Sicht Matuschkas auch Länder, in denen wenig Rücksicht auf Arbeitsrechte genommen wird. Gesetzestreues Verhalten ist für Matuschka essentiell: „Der Mitarbeiter muss wissen, dass er sich für die Firma nicht rechtlich falsch verhalten muss.“ In den meisten Fällen von Korruption handeln Mitarbeiter nicht aus Eigennutz. Sie glauben, sie müssen ihrem Unternehmen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen – falls nötig auch mit illegalen Mitteln.

Nachholbedarf in Deutschland

Zukünftig will Hochtief verstärkt in neue Technologien investieren und dabei mithelfen, die Infrastruktur zu erneuern. Matuschka sieht insbesondere in Deutschland großen Nachholbedarf. Das Geld für Investitionen sei vorhanden, große Teile der Infrastruktur trotzdem marode – egal ob Autobahnen, Bahnstrecken oder Brücken.

Der Hochtief-Vorstand sieht darin eine Gefahr. Eine moderne Infrastruktur sei wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Matuschka will dazu beitragen, dass dieser innovativ und offen für neue Technologien bleibt: „Wenn man die Welt von morgen baut, muss man sich mit der Zukunft beschäftigen.“

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