Sigmar Gabriel: Über Europa in einer unbequemen Welt

"Europa in einer unbequemen Welt" - Sigmar Gabriel zu Gast an der WiWi-Fakultät.
"Europa in einer unbequemen Welt" - Sigmar Gabriel zu Gast an der WiWi-Fakultät.

Sigmar Gabriel besuchte am 25. Juni zum Auftakt der neuen Vortragsreihe des Masterstudiengangs „International Economic Policy“ die Universität Würzburg. Vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Audimax referierte der Abgeordnete der SPD über die politische Situation in Europa und der Welt.

Von Josua Teixeira Correia

Gabriel eröffnete seinen Vortrag an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit dem Hinweis auf drei wichtige Ereignisse. Er verwies auf die vergangenen Wochen: den G7-Gipfel in Kanada, das Treffen der sogenannten Shanghai-Gruppe und den Termin zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

G7 als Sinnbild westlicher Werte

Gabriel beschrieb, dass die G7 anfangs ein Versuch waren wirtschaftliche Konflikte mittels westlicher Werte zu lösen. Heute jedoch würden wirtschaftliche Interessen die Welt auseinandertreiben.

Der ehemalige Außen- und Wirtschaftsminister führte als Beispiel Donald Trump an. Erst kürzlich hatte der amerikanische Präsident die Zölle gegen europäische Produkte angehoben. Was für eine Botschaft das sendet, ist für Gabriel klar: Trump betrachte Europa als Feind und schotte sein Land sukzessive nach außen ab.

Ein gänzlich gegenteiliges Signal habe die Shanghai-Gruppe gesendet, so Gabriel. Nach außen hin würde diese Einigkeit symbolisieren. Die Shanghai-Gruppe sei gewillt ihre eigenen Interessen den gemeinsamen unterzuordnen.

Weltordnung könnte sich wandeln

Weitergehend sprach Gabriel über das Treffen zwischen Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Beide verhandelten über die Denuklearisierung der nordkoreanischen Halbinsel.

Noch nie zuvor traf sich ein amerikanischer Präsident mit einem nordkoreanischen Staatschef. „Trump ist bereit ein Vakuum zuzulassen, in das andere hineingehen werden“, sagte Gabriel und benannte die Kräfte, die dieses Vakuum zu füllen versuchen werden. Unter anderem: Russland und China.

Im Detail wandte sich Gabriel der chinesischen Regierung und deren Strategie zu. China gelinge es etwa durch infrastrukturelle Investitionen im Ausland politischen Einfluss auszuüben. Stellvertretend für diese Investitionen nannte Gabriel die Schnellbahnstrecke zwischen Budapest und Belgrad oder den Hafen in Piräus. Finanziert werden diese von chinesischen Investoren, nicht von europäischen.

Europa vor dem Kollaps?

Europa durchlebe aktuell eine schwere Zeit, betonte der SPD-Abgeordnete. Die Beantwortung der Flüchtlingsfrage sei eine „Jahrhundertaufgabe“ für Europa und die Bundesrepublik. Aus Sicht Gabriels: vielleicht die wichtigste Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Er bilanzierte: „Die Welt wird unbequemer für uns.“

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